(Zeitungsbericht Einsiedler Anzeiger 25.04.2017)
Jodleroubed des Jodlerklubs Alpenrösli vom vergangenen Samstag, 22. April, Im Zentrum Zwei Raben
Der traditionelle «Jodleroubed» ging im Kultur- und Kongresszentrum Zwei Raben in Einsiedeln über die Bühne. Jodlerfreunde aus allen Teilen der Deutschschweiz erfreuten sich ob den gelungenen Darbietungen.
grä. Johann Gottfried Seumes, der deutsche Schriftsteller, trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt: «Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.» Diese Aussage war offensichtlich auch das Credo der Organisatoren. Denn die Anstrengungen, beste Unterhaltung zusammenzustellen und den Besuchern an diesem Samstagabend einfach Freude zu bereiten, sind vollauf gelungen. Nach dem lüpfigen Auftakt des Unteriberger Trios Holdrio mit dem Stück «Gnosse Gnos» liess es sich Präsident Alois Betschart nicht nehmen, die anwesenden Gastvereine, Prominenz aus nah und fern sowie alle anwesenden Jodlerfreunde im Namen des Jodlerklubs Alpenrösli Einsiedeln herzlich willkommen zu heissen.
Rosmarie: «Und da bini wieder»
Durch den Abend führte erneut die gewandte Rosmarie Kälin. Mit ihrer erfrischenden und witzigen Art führte sie von Nummer zu Nummer. Nicht ohne gelegentlich ein Interview mit den Künstlern einzustreuen. Ihre Verpflichtung hat Vereinspräsident Alois Betschart mit den Worten herbeigeführt: «Rosmarie, Bewährtes soll man nicht auswechseln.» «Und da bini wieder», so Rosmarie. Die weiteste Anreise, nämlich aus dem Toggenburg, hatte das Schmittechörli Necker Mogelsberg. «Wir halten es schon seit Jahren so, dass wir jedes Jahr aus einer anderen Landesgegend einen Gastklub einladen. Dieses Jahr ist die Ostschweiz dran», sagte Alois Betschart. Das Schmittechörli sei auch in unserer Gegend bekannt für seinen traditionellen Toggenburger Naturjodel.
Nach vielen Übungsstunden zog der Jodlerklub Alpenrösli alle Register seines Könnens.
Gute Kontakte
Aus der Region sorgten die Stierämusig Einsiedeln und das Trio Holdrio für beste Unterhaltung. Dazu natürlich der gastgebende Jodlerklub Alpenrösli mit Chor sowie den vereinseigenen Alphornbläsern und Fahnenschwingern. Die Stierämusig Einsiedeln sei normalerweise nur an der Einsiedler Viehausstellung zu hören, so Betschart. «Da wir als Verein zusammen mit dem Jodlerklub Waldstattecho schon seit bald 20 Jahren an der Viehausstellung die Festwirtschaft führen, besteht natürlich zu ihnen ein guter Kontakt. So lag es nahe, sie auch einmal als Gastformation einzuladen.» Die meisten der zwölf Mitglieder der Stierämusig unter der Leitung von Felix Ochsner seien auch in der Musikgesellschaft Konkordia Einsiedeln, aktiv.
Den Auftakt machte der gastgebende Jodlerklub mit dem Jodel «Bärgwanderig» von Ueli Moor: «We’d wosch go wandere dä Bärgä zue, dä nimm dr Rucksack und d’Wanderschueh, und laufisch übere Grat gäg d’Flueh, so gniess du da die stilli Rueh.» Schon diese erste Strophe verwies auf den roten Faden, der sich durch die ganze Abendunterhaltung immer wieder zeigte: Alle Darbietungen brachten zutage, wie abwechslungsreich das Leben und die Volksmusik eben sein kann. Alle Texte hatten Tiefgang und vermittelten kritische, freudige oder fröhliche Begebenheiten aus dem Leben. Der Bezug zu den Menschen, zu den Blumen, zur Natur oder der Bergwelt liessen die Zuschauer hoffentlich feststellen, in was für einem wunderschönen Land wir leben. Marschmusik, Gesang, Naturjodel, Fahnenschwingen oder Örgelimusik gehören zur Folklore, so sicher wie das Amen in der Kirche.
Die sympathischen Gäste: das Schmittechörli Necker
Und die Gäste?
Gespannt war man auf den ersten Auftritt des Schmittechörli Necker, gegründet 1983. Derzeit singen fünf Frauen und zehn Männer unter der Leitung von Heidi Bollhalter. Sie führt das Ensemble seit 2013. Die Sängerinnen und Sänger möchten die Tradition des Toggenburger Naturjodels pflegen und erhalten. Vor ziemlich genau einem Jahr brachte das Schmittechörli seinen dritten Tonträger mit dem Titel «Am Necker» auf den Markt. Mit der Verpflichtung des Schmittechörlis zeigte das OK viel Sachverstand. Immerhin brachten die Toggenburger einige Studioerfahrung mit. Der prägnante Toggenburger Dialekt und die schönen Trachten integrierten sich hervorragend in diesen Abend. Nicht umsonst wurde das Chörli nach jedem Auftritt mit grossem Applaus zu Zugaben aufgefordert. Ein schöneres Kompliment seiner Darbietungen hätten die Zuschauer nicht geben können.
Alle Lieder, sei es «Mis Neckertal», «Mis Lied» oder «Das git mer Muet» oder die «Herbschtmelodie», das «Nachtbuebeliedli» oder «Diä alti Heimat» vom Jodlerklub Alpenrösli hatten eines gemeinsam: Sie erzählten Geschichten aus dem Leben, aus der Natur, manchmal fröhlich, oft auch nachdenklich oder erheiternd. Einige Texte haben sicher bei einigen Besuchern ein leichtes Kribbeln erzeugt. Aber immer vermittelten die Sängerinnen und Sänger mit ihren Darbietungen ein gutes Gefühl.
Verdiente «Gage». Noch nie hat Rosmarie Kälin etwas gewonnen. Am Samstag konnte sie ihren verdienten Lohn in Form dieses Blumetröglis entgegennehmen.
Fotos: Walter Grämiger
Quelle: www.einsiedleranzeiger.ch
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